Positionspapier der GedaP zur Frage des Modellwechsels von der Delegation zur Anordnung

 

Einleitung

 

Die GedaP setzt sich seit ihrer Gründung dafür ein, dass Psychotherapie zu den

Leistungen der Grundversicherung zählt. In Zusammenarbeit mit der damaligen SGDP

(Schweizerische Ärztegesellschaft für delegierte Psychotherapie) engagierte sich die

GedaP dafür, dass die delegierte Psychotherapie in den Tarmed-Tarifvertrag

aufgenommen wurde. Damit wurde die Möglichkeit geschaffen, dass nichtärztliche

Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ihre Leistungen zulasten der

Grundversicherung abrechnen und Patientinnen und Patienten unabhängig von ihrem

Einkommen psychotherapeutisch behandelt werden können.

Im Gefolge der Anfrage von alt Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber „Nichtärztliche

Psychotherapie als Leistung der Grundversicherung“ vom September 2011 prüft der

Bundesrat nun verschiedene Modelle der Zulassung der psychologischen

Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zur Leistungsabrechnung. Dabei werden

auch „konkrete Vorschläge für die Ablösung des derzeitigen Modells der delegierten

Psychotherapie“ geprüft, wie der Bundesrat im November 2011 auf besagte Anfrage

antwortete.

 

Modellwechsel von der Delegation zur Anordnung

 

In Rahmen dieses Prüfungsverfahren fanden einige Hearings im Bundesamt für

Gesundheit BAG statt, an denen auch die GedaP teilgenommen hat. Dabei zeigte sich,

dass der Bundesrat, das Eidgenössische Departement des Inneren EDI und das BAG

ausschliesslich die Einführung eines sogenannten Anordnungsmodelles prüft. Im

Rahmen dieses Modells würde die Liste jener Berufsgruppen, die auf ärztliche

Anordnung hin tätig werden dürfen, um die Psychotherapeutinnen und

Psychotherapeuten ergänzt. (Anordnungsberufe, wie z.B. Physiotherapie,

Ernährungsberatung und andere).

 

Psychotherapie in der Grundversicherung, aber wie?

 

Als GedaP-Vorstand sind wir nach wie vor der Ansicht, dass Psychotherapie ein

Bestandteil der Grundversicherung sein muss. Nach eingehender Prüfung lehnen wir

jedoch das Anordnungsmodell aus Sorge um die Psychotherapie als eigenständige

Disziplin und aus Sorge um Psychotherapie-Patientinnen und –Patienten ab. Wir

schätzen den Schaden, den ein solches Modell auf die Psychotherapie hätte als grösser

ein, als dessen Nutzen.

 

Selbständige Berufsausübung statt Anordnungsberuf

 

Wir sind dafür, dass das Modell der Delegation ergänzt wird und würden die Aufnahme

der selbständig ausgeübten Psychotherapie in das Krankenversicherungsgesetz (KVG)

sehr begrüssen. Das kann nach unserer Überzeugung allerdings nur dann positive

Effekte haben, wenn Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten auch als tatsächlich

selbständige Leistungserbringer im Gesetz anerkannt würden. Im Anordnungsmodell ist

das leider nicht der Fall.

 

Rückblick

 

Obschon die frühere Bundesrätin Ruth Dreifuss in den KVG-Beratungen im Jahre

1992/93 zusicherte „die psychologischen Psychotherapeutinnen und –therapeuten als

selbständige Leistungserbringerinnen und -erbringer in die Grundversicherung

aufzunehmen, sobald deren Aus- und Weiterbildung geklärt sei“, wird dies heute in der

Antwort des Bundesrates sowie im aktuellen Prüfungsverfahren ignoriert und auf

Anfrage der GedaP kategorisch abgelehnt. Dies obwohl mit dem

Psychologieberufegesetz (PsyG) die Frage der Aus- und Weiterbildung geklärt ist und

die Zusicherung nun eingelöst werden müsste.

 

Fazit

 

Der GedaP-Vorstand würde eine das Delegationsmodell ergänzende Aufnahme der

selbständigen Psychotherapie ins KVG sehr begrüssen; sie wäre längst überf.llig,

zeitgemäss, fachlich angebracht und aufgrund der Engpässe im Bereich der

psychotherapeutischen Behandlungen als Bedarf nachgewiesen. Das Anordnungsmodell

ist aus unserer Sicht für die Psychotherapie nicht geeignet – und schon gar nicht, wenn

es das Delegationsmodell ersetzen soll. Wir fürchten um die Substanz des vom

Bundesrat anerkannten, „wesentlichen Beitrag zur Sicherstellung der (...)

psychotherapeutischen Versorgung der Bevölkerung“ durch „die nichtärztlichen

Psychotherapeutinnen und –therapeuten“.